Sünde meint die Trennung von der Liebe, von der Quelle selbst. Das griechische Wort dahinter, hamartia, heißt wörtlich: das Ziel verfehlen. Es ist ein Wort vom Bogenschießen, nicht aus dem Gerichtssaal.
Woher das Wort kommt

Hamartia war im Griechischen der Pfeil, der das Ziel verfehlt. Das hebräische chata trägt dasselbe Bild: danebentreffen, den Weg verpassen. Die Frage ist nur: welches Ziel? Das Ziel ist die Verbindung zur Quelle, zur Liebe des Vaters. Sünde ist der Zustand, in dem diese Verbindung verfehlt und zerrissen ist. Sie beschreibt eine Schlucht, keinen Strafzettel.
Warum es als Tatenliste gehört wird
Über die Jahrhunderte wurde aus der Schlucht ein Katalog. Sündenregister, Beichtlisten, ein Soll und Haben von Vergehen. Der Blick auf die einzelnen Taten verdeckt die Wurzel. Eine Tat ist eine Frucht. Die Wurzel darunter ist immer die Trennung von der Liebe. Wer nur die Früchte zählt, kämpft ewig gegen Symptome und übersieht, was sie hervorbringt.
Was die Bibel meint: die zerrissene Verbindung
Im ersten Buch versteckt sich Adam, als er Gottes Stimme hört (1. Mose 3,8-10). Nicht Gott zieht sich zurück, der Mensch tut es. Die Verbindung ist gestört, und alles Weitere folgt daraus. Das ganze Evangelium ist die Geschichte, wie diese Verbindung wiederhergestellt wird. Yeshua überbrückt die Schlucht, damit der Mensch heimkehren kann. Erlösung ist Wiederverbindung.
Der Mensch hörte die Stimme Gottes und versteckte sich. Die Verbindung war zerrissen, und das nennt die Schrift das Grundübel: Trennung von der Quelle des Lebens.
1. Mose 3,8-10Menschen ohne tragende Verbindung, in Isolation und Einsamkeit, haben ein rund 30 Prozent höheres Sterberisiko. Dieser Einfluss auf die Lebenszeit gleicht dem des Rauchens. Getrenntsein schadet dem Leib messbar.
Holt-Lunstad et al., Meta-Analysen 2010 und 2015Warum das befreit

Wenn Sünde Trennung ist, dann ist Rettung Wiederverbindung. Es geht nicht um das Abarbeiten einer Schuldenliste, sondern um die Heimkehr in die Liebe. Der Vater wartet schon, wie beim verlorenen Sohn, der noch weit weg war, als der Vater ihm entgegenlief (Lukas 15,20). Das nimmt die Angst aus dem Wort. Sünde zeigt, wohin du gehörst, und die Liebe holt dich dorthin zurück.
In einem Satz
Sünde ist die zerrissene Verbindung zur Liebe, nicht ein Katalog von Vergehen. Und weil sie Trennung ist, heißt Heilung: Heimkehr.
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