Reife Fruechte am Baum

Frucht: Die einzige Nahrung, die gegessen werden will

Frucht ist einzigartig unter den Lebensmitteln. Sie ist das eine Ding in der Natur, das gegessen werden will. Der Baum bietet sie an, süß, farbig, duftend, damit du sie nimmst. Kein anderes Lebensmittel ist so offen als Geschenk gedacht.

Die einzige Nahrung, die gegessen werden will

Fast überall in der Natur wehrt sich die Pflanze gegen das Gefressenwerden, mit Bitterstoffen, Schalen, Dornen. Die Frucht ist die Ausnahme. Sie ist die Verpackung, in die die Pflanze ihren Samen legt, und sie macht sie mit Absicht süß und lockend, damit ein Tier sie isst und den Samen fortträgt. Versorgung und Weitergabe in einem Bissen. Genau das steht schon am Anfang: samentragende Bäume mit Früchten, gegeben zur Nahrung (1. Mose 1,29). Die Frucht ist eine Gabe mit Aufgabe, sie nährt dich und pflanzt sich zugleich fort.

Süße mit eingebauter Bremse

Verschiedene frische Früchte

Weil Frucht süß ist, gerät sie heute leicht unter Verdacht. Doch der Zucker in der ganzen Frucht kommt nie allein. Er steckt in Fasern, Wasser, Vitaminen und Antioxidantien, dem ganzen Paket. Die Ballaststoffe sind die Bremse, die den Zucker langsam ins Blut lassen (mehr dazu unter Zucker und Blutzucker). Deshalb ist ein Apfel kein Bonbon. Vor der ganzen Frucht musst du keine Angst haben. Vorsicht gilt dem Saft und dem isolierten Zucker, wo genau diese Bremse fehlt.

Was die Zucht verändert hat

Ehrlich dazu: Die Frucht im Regal ist nicht mehr ganz die Frucht vom wilden Baum. Über Jahrhunderte wurde sie süßer, größer und milder gezüchtet, manchmal auf Kosten der Bitterstoffe und einiger Pflanzenstoffe, die im Wilden noch reichlich saßen. Dazu kommt, dass heute alles das ganze Jahr verfügbar ist, quer über den Globus gekarrt, statt reif und in der Saison. Nichts davon macht Frucht schlecht. Aber es lohnt der einfache Weg: möglichst saisonal, möglichst regional, in Vielfalt und mit Schale, so nah wie möglich an dem, wie sie gewachsen ist.

So wurde Frucht seit jeher haltbar gemacht: Feigen trocknete man einzeln oder auf Schnüren aufgereiht und presste sie zu Feigenkuchen, Trauben wurden zu Rosinen. Getrocknet sind die Nährstoffe konzentriert, und die Frucht hält den Winter und die Reise, wie schon Davids Proviant zeigt. Nur das ganze Trocknen, kein Zusatz, keine Fabrik.

An der Frucht erkennt man den Baum

Kaum ein Bild nutzt die Bibel häufiger als die Frucht, und immer als das Sichtbare, das Zeigende. Im Garten gab Gott jeden Baum mit Frucht zur Nahrung (1. Mose 2,9.16). Feige, Olive, Weinstock, Granatapfel und Dattel gehören zu den Zeichen des guten Landes. Und Yehoshua sagt: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,16). Die Frucht ist das, woran man den Baum erkennt, das Ergebnis, der Beweis, die Gabe. Sogar das Leben aus dem Geist beschreibt Paulus als Frucht (Galater 5,22). Frucht ist nie nur Nahrung. Sie ist das, was ein gesundes Leben von selbst hervorbringt.

Weisheit, kein Gesetz

Keine Regel, keine Angst (Römer 14). Iss die ganze Frucht, ruhig reichlich, am liebsten in der Saison und aus der Nähe, mit Schale und, wo es geht, mit den Kernen. Zieh sie dem Saft vor, denn im Glas fehlt die Bremse. Das ist die Süße, wie sie gemeint war: gepackt, lebendig, gegeben.

Fachliche Grundlage u.a.: T&T Clark Handbook of Food in the Hebrew Bible and Ancient Israel (Bloomsbury 2022).

Weiterlesen

Zucker: Wenn von der Pflanze nur die Süße bleibt
Die Feige in der Bibel
Der Same: Die Kraft im Kern