Honigglas mit Honigloeffel

Honig: Vorsehung, die nie verdirbt (und oft gefälscht ist)

Honig ist Vorsehung, gemacht von winzigen Geschöpfen. Ganz, ohne Fabrik, und er verdirbt nie. Der älteste Süßstoff der Menschheit, und zugleich eines der am meisten gefälschten Lebensmittel unserer Zeit.

Von der Blüte ins Vorratsglas, ganz ohne Fabrik

Tropfende Honigwabe

Bienen sammeln Nektar, setzen ihre Enzyme zu und fächeln ihn trocken. Übrig bleibt eine Nahrung, die so wasserarm und so sauer ist, dass darin nichts verderben kann. Honig, den man in ägyptischen Gräbern fand, tausende Jahre alt, war noch essbar. Eine Nahrung, die dafür gebaut ist, zu bleiben, und das ohne eine einzige Maschine. In ihr sitzen Enzyme, Spurenstoffe und Antioxidantien, das ganze, lebendige Paket.

Mehr als Süße: was echter Honig kann

Der niedrige Wassergehalt, der saure pH-Wert und ein Enzym, das kleine Mengen Wasserstoffperoxid freisetzt, machen Honig von Natur aus antibakteriell. Das ist so real, dass medizinischer Honig, etwa Manuka, in Kliniken auf Wunden eingesetzt wird. Hier bleiben wir sauber: Das ist Wundpflege unter ärztlicher Begleitung, kein Versprechen, dass gegessener Honig eine Krankheit heilt. Aber es sagt dir etwas: Das ist keine leere Süße. Es ist ein lebendiges Lebensmittel mit Eigenschaften, die raffinierter Zucker nie haben wird.

Aber es bleibt Zucker

Ehrlich bleiben, damit wir nicht in die Falle tappen, vor der wir selbst warnen: Honig ist trotzdem Zucker, überwiegend Fruchtzucker und Traubenzucker. Er ist kein Freifahrtschein. Die Bibel hat es längst nüchtern gesagt: Honig ist gut, aber zu viel davon ist nicht gut (Sprüche 25,16 und 25,27). Ganz und im Maß, so wie er immer gemeint war. Und zwei Regeln gehören dazu: Erhitze ihn nie stark, das zerstört die Enzyme und den guten Teil. Und gib niemals Honig einem Baby unter einem Jahr, wegen der Gefahr des Säuglingsbotulismus.

Der große Schwindel: gefälschter Honig

Hier kriecht die moderne Welt doch wieder hinein. Honig ist eines der am häufigsten gefälschten Lebensmittel der Erde. Billiger Honig wird oft mit Mais- oder Reissirup gestreckt oder so stark erhitzt und ultrafiltriert, dass sogar der Pollen verschwindet, der seine Herkunft verraten würde. Auf dem Glas steht rein, im Glas ist zur Hälfte Zuckersirup. Und wieder ist es beweisbar, es schaut nur keiner hin. Die Lösung ist alt und einfach: Kauf echten, rohen Honig, am besten lokal, von einem Imker, den du zurückverfolgen kannst. Das Ganze, nicht die verdünnte Nachahmung.

Honig in der Bibel

Honig zieht sich durch die Schrift als Bild für gute, geschenkte Süße. Das verheißene Land fließt von Milch und Honig. Simson findet Honig im Körper eines Löwen (Richter 14). Jonatan kostet Honig, und seine müden Augen werden wieder hell (1. Samuel 14,27). Johannes der Täufer lebt in der Wüste von Heuschrecken und wildem Honig (Matthäus 3,4), der schlichtesten Nahrung überhaupt. Und Gottes eigene Worte werden süßer als Honig genannt (Psalm 19,11). Honig steht für das Gute, das Stärkende, das frei Gegebene, im rechten Maß.

Ein ehrlicher Zusatz aus der Forschung: Wo die Bibel vom Land spricht, das von „Milch und Honig“ fließt, ist mit „Honig“ (hebräisch debasch) wahrscheinlich oft Dattelsirup gemeint, das häufigste Süßungsmittel des Altertums. Echten Bienenhonig gab es aber ebenso, in Tel Rechov haben Archäologen sogar eine ganze Imkerei aus dem 10. Jahrhundert vor Christus freigelegt. Beides ist Honig im weiteren Sinn, beides ganze, ungefälschte Süße.

Weisheit, kein Gesetz

Keine Regel, keine Angst. Honig ist eine Gabe, kein Nahrungsergänzungsmittel und keine Sünde (Römer 14). Nutze ihn ganz und roh, im Maß, anstelle von raffiniertem Zucker, wo du kannst. Kauf das Echte. Halte ihn von Babys fern. Und genieße ihn so, wie er immer gereicht wurde: einfach, lebendig, süß.

Fachliche Grundlage u.a.: T&T Clark Handbook of Food in the Hebrew Bible and Ancient Israel (Bloomsbury 2022).

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